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Bewegendes Thema Demenz: LSK und Stadtbibliothek
boten Information und Diskussion an

Hoyerswerda, 21. März 2013. Am gestrigen Mittwoch hatten das Lausitzer Seenland Klinikum und die Brigitte-Reimann-Stadtbibliothek Hoyerswerda eingeladen, um interessierte Bürger über das Thema Demenz zu informieren und zu diskutieren. Knapp achtzig Frauen und Männer, jüngere und ältere, hatten sich zu Lesung und Gesprächsrunde eingefunden. Einige waren sogar aus umliegenden Gemeinden gekommen.
„Wenn die Erinnerung geht…“ war die erste gemeinsame Veranstaltung der beiden Einrichtungen. „Wir haben auf regen Zuspruch gehofft, aber mit so vielen Besucherinnen und Besuchern nicht gerechnet“, sagte Heidelinde Stoermer, Kinder- und Jugendbibliothekarin, zur Begrüßung.

Das Thema Demenz bewegt direkt Betroffene, Angehörige, Pflegende oder an der Krankheit Interessierte. „Demenz verändert einen Menschen, aber die Krankheit ist nicht das Ende, sondern der Beginn eines anderen Lebens“, so Frank Dietrich, Chefarzt des Instituts für Pathologie im Lausitzer Seenland Klinikum. Die Gesellschaft müsse lernen, mit dementen Menschen umzugehen und eigene Vorstellungen von einem gelungenen Leben überdenken. Gemeinsam mit Bibliothekarin Heidelinde Stoermer hatte er vier Bücher ausgesucht, die Einblick in die Welt von Demenzkranken und den Umgang mit ihnen geben. Der österreichische Schriftsteller Arno Geiger erzählt in seinem Buch „Der alte König in seinem Exil“ von seinem demenzkranken Vater. Offen,liebevoll und heiter beginnt er ihn von Neuem kennenzulernen. Dagegen nähern sich die Autoren Katrin Hummel, Peter Farkas und Katharina Hacker dem Thema aus anderen Blickwinkeln - mit Trauer, Wut, Scham, aber auch mit Verständnis und Einfühlungsvermögen. Die unterschiedlichen Erfahrungsberichte waren ein guter Einstieg in die Gesprächsrunde.

Was ist überhaupt Demenz? In welchem Alter tritt die Krankheit auf? Spielen erbliche Faktoren eine Rolle? Wie sollen wir mit dementen Menschen umgehen und was macht ein Leben lebenswert? Das waren Fragen, die das Publikum bewegten. Demenz kann viele verschiedene Ursachen haben. Meist beginnt der Krankheitsprozess im Gehirn mit einem Absterben der Nervenzellen. Die Betroffenen verlieren ihr Gedächtnis, das Denkvermögen und ihre Sprache. Auch die Persönlichkeit, das Verhalten und die Motorik ändern sich. Demente Menschen wissen nicht mehr, was sie noch vor wenigen Minuten gemacht haben, aber Kindheit und Jugend sind oft noch präsent. Singen, so Chefarzt Frank Dietrich, sei deshalb eine gute Kontaktmöglichkeit im Umgang mit dementen Menschen. Auch sich mit deren Biografie zu beschäftigen, Erinnerungen an frühere Zeiten zu wecken, sei ein richtiger Weg. So entstünden Gefühle von Vertrautheit, Sicherheit und Geborgenheit. Bilder, Fotos und Alltagsgegenstände aus der Kindheit und Jugend sagten oft mehr als Worte. Wichtig sei, die vorhandenen Fähigkeiten zu nutzen. „Defizite bei dementen Menschen können durch die Umgebung kompensiert werden“, sagte der Experte.

Ein wachsendes Problem ist es, dass - auch in Hoyerswerda – immer mehr Menschen allein leben. Oft haben ältere Menschen keine Angehörigen, die sie pflegen können. Andererseits ist ein pflegender Partner rasch überfordert, weil pausenlos im Einsatz und irgendwann am Ende seiner Kräfte. „Wir müssen die Pflege auf mehrere Beteiligte verteilen. Haben Sie kein schlechtes Gewissen, wenn Sie sich professionelle Hilfe suchen“, riet Chefarzt Frank Dietrich. 

Etwa 1,4 Millionen Menschen sind in unserer immer älter werdenden Gesellschaft an Demenz erkrankt. In vierzig Jahren werden es doppelt so viele sein. Ist es überhaupt erstrebenswert, dass wir immer älter werden? Soll ich meinen Angehörigen künstlich ernähren lassen? So und ähnlich lauteten die Fragen aus dem Publikum. Chefarzt Frank Dietrich verwies in diesem Zusammenhang auf das Ethikkomitee im Lausitzer Seenland Klinikum. Bei Zielkonflikten werde dort besprochen, welche Maßnahmen und welche Therapie sinnvoll seien. Die Diskussion solcher ethischen Fragen wird am 29. Mai 2013 fortgesetzt.
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