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Blauäugige Aktion: DJV will sich mit Verlegern gegen Google verbünden

Der Deutsche Journalisten-Verband will in einer "konzertierten Aktion" gemeinsam mit den Verlegern gegen die Suchmaschine Google vorgehen. "Der Gesetzgeber muss einerseits der Gratis-Kultur des Internets zu Gunsten der Urheber einen wirksamen Riegel vorschieben und andererseits die Befugnisse des Bundeskartellamtes so ausweiten, dass die Behörde Meinungsmonopole im Internet verhindern kann", fordert DJV-Chef Michael Konken. Sonst drohe "ein Monopol mit nie gekannter Meinungsmacht.“

Das Vorpreschen des DJV wirkt in mehrfacher Hinsicht blauäugig. Die Verleger haben in den letzten Monaten - etwa mit der Kampagne für ein Leistungsschutzrecht - deutlich gemacht, dass sie sich nur um ihre eigenen Verwertungs-Rechte sorgen. Von den Urhebern - also den Journalisten - ist dagegen bemerkenswert selten die Rede. In der Hamburger Erklärung der Zeitungsverleger wird zwar ein "unabhängiger Journalismus" unter Wahrung der "Rechte von Urhebern und Werkmittlern" propagiert, aber dieser Journalismus hat eben in der Regel schon alle Verwertungsrechte an den Verlag abgetreten.

Schutz der Urheber
Umso verblüffender, dass der DJV "im Interesse der Journalistinnen und Journalisten" gegen Google mit den Verlegern kooperieren will. Es müsse jedoch klar sein, dass der Schutz der Urheber und ihrer berechtigten Interessen im Mittelpunkt der Aktivitäten stehe, wird Konken zitiert. Dummerweise ist genau dies eben nicht klar.

Vielleicht glaubt man ja beim DJV, für gut Wetter sorgen zu müssen. Im Herbst stehen wieder Tarifverhandlungen an; die Tarifpartnerschaft aber ist mehr als brüchig. Zuletzt haben die Zeitschriften-Verleger sogar den Manteltarifvertrag gekündigt. Die Gewerkschaften müssen befürchten, dass die Verlage unter Berufung auf die Medienkrise ans Eingemachte gehen.

Google-Klischees
Angesichts dieser trüben Aussichten soll wohl die Konzentration auf einen gemeinsamen Gegner abhelfen. Allerdings gerät diese Verteufelung so klischeehaft, dass selbst echte Google-Kritiker nur abwinken können. Natürlich ist nicht die Suchmaschine an der Kostenlos-Kultur im Internet schuld. Für diese Entwertung sorgen die großen News-Websites, die ihre Inhalte in der Hoffnung auf hohe Abrufzahlen gratis herschenken, schon ganz allein.

Nebulös erscheint auch, auf welcher Basis das Bundeskartellamt gegen eine US-Firma vorgehen sollte, zumal Google in Deutschland keine Beteiligungen angemeldet hat, die genehmigungspflichtig wären. Vor der "konzertierten Aktion" des DJV muss im fernen Kalifornien wirklich niemand Angst haben.
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