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Die Demontage des US-Journalismus' schlägt zum Nachrichten-Konsumenten durch

Der Stand der Dinge für die US-Medien. Die komplette Info-Grafik ist mit dem Bild verlinkt.
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Der Stand der Dinge für die US-Medien. Die komplette Info-Grafik ist mit dem Bild verlinkt.
Stellenabbau, seichtere Themen, kürzere Berichte: Der Zeitungs- und Fernseh-Journalismus in den USA befindet sich in einer Depression, die inzwischen auch beim Nachrichten-Konsumenten angekommen ist, wie der Jahres-Bericht The State of the News Media 2013 des angesehenen Pew Research Centers belegt. 31 Prozent der repräsentativ befragten US-Amerikaner gaben ab, sich von ihrem angestammten News-Medium abgewandt zu haben, weil dort Nachrichten und Informationen nicht mehr im gewohnten Maße zu finden seien.

Die Krise auf dem Nachrichtensektor weist laut Pew zahlreiche Wucherungen auf:
  • Die Zahl der beschäftigten Zeitungs-Journalisten gib seit dem Höhepukt im Jahr 2000 bis 2012 um 30% zurück. Das sind weniger als 40.000 Vollzeit-Kräfte und damit so wenig wie zuletzt 1978.
  • CNN produzierte 2012 nur noch halb so viele "story packages" und Live-Übertragungen wie 2007, dafür doppelt so viel vergleichweise billigen Talk und Interviews.
  • Bei CNN und Fox News beträgt das Verhältnis zwischen Nachrichten und Meinung inzwischen 50 Prozent; MSNBC bestreitet sogar 85 Prozent mit Meinungen.
  • In den lokalen News-Kanälen werden die Beiträge kürzer; Sport, Wetter und Verkehr bestreiten inzwischen 40 Prozent des Programms.
  • Um zu sparen, greifen immer mehr Medien auf "Kollege Computer" zurück und publizieren per Software generierte Sport- oder Wirtschafts-Berichte.
Im Netz erschlossen traditionelle News-Medien - nicht nur die New York Times - zwar eine neue Erlösquelle durch Paywalls, doch den Kampf um die digitalen Werbe-Dollars haben sie mit ihrer Display-Werbung gegen die GAFA-Konkurrenz verloren - auch auf den neuen Wachstumsfeldern Mobil und Lokal, wie der Pew-Report hervorhebt. 

Doch das Netz eröffnet Chancen jenseits der Mainstream-Medien: Eine Alternative zum Abbau bei Verlagen und Fernsehkonzernen könnten Unternehmer-Journalismus und Social Media darstellen. Tatsächlich beeinflussen sie dem Report zufolge zunehmend auch die Berichterstattung in dem traditionellen Medien.

Lautsprecher statt Investigatoren
Doch die Forscher sehen diese Entwicklung recht kritisch. In einer Analyse der Präsidentschaftswahl 2012 stellten sie fest, dass sich die Kampagnen-Berichterstatter eher als Lautsprecher der Kandidaten denn als Investigatoren verstanden hätten. Das Resultat: Nur noch ein Viertel der Medien-Berichterstattung stammten von Journalisten; doppelt so viel kam dagegen von Parteigängern und PR-Leuten.

"Es gibt Anzeichen dafür, dass dieser Trend über die Politik hinaus geht. Mehr und mehr Organisationen versuchen mit unterschiedlichen Mitteln die Leere zu füllen, die überstrapazierte redaktionelle Resourcen hinterlassen haben", mahnt der Report. Zu dieser Diagnose passt die unrühmliche Reihe von Fakes und Falschmeldungen, die traditionelle Medien publiziert haben, weil redaktionelle Kontroll-Instanzen und Recherche nicht mehr richtig funktionieren.
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