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Die taz schreibt wieder rote Zahlen und erfindet sich neu

Die Berliner Tageszeitung hat 2012 zum ersten Mal nach drei erfolgreichen Jahren wieder roten Zahlen geschrieben. Der Betriebsverlust sei jedoch durch die Zeichnung neuer Genossenschaftsanteile in Höhe von über 800.000 Euro ausgeglichen worden, teilte die Zeitung ihren Genossen mit.

Hinter der taz steht seit elf Jahren eine Verlagsgenossenschaft, die das notorisch klamme Blatt über Wasser hält. Mehr noch: Wegen ihres geringen Anzeigenaufkommens zeigte sich die taz in den letzten Jahren unbeeindruckt von der schlechten Werbekonjunktur, unter der die anderen Zeitungsverlage leiden. 2009 erwirtschaftete sie erstmals seit 15 Jahren einen Überschuss.

Doch Zeitungen, man weiß es, leiden nicht nur am schrumpfenden Anzeigengeschäft, sondern auch an sinkenden Auflagen; ein Trend, von dem sich die taz im letzten Jahr nicht mehr abkoppeln konnte: Im Jahresdurchschnitt hatte die Zeitung nur noch 41.800 Abonnenten; ein Rückgang von 5,5 Prozent. Der Kiosk-Verlauf - rund 5.200 Exemplare zusätzlich - spielt bei der taz traditionell eine geringere Rolle. Wie hoch der Verlust aus dem Stammgeschäft genau ist, wird spätestens auf einer Genossenschaftsversammlung im September bekannt sein.

Die taz wäre nicht die taz
... wenn sie sich nicht immer wieder neu erfinden würde. Sinkende Vertriebserlöse im klassischen Printgeschäft sollen durch das Wochenend-Abo und die digitale Ausgabe ausgeglichen werden. Am Wochenende, so glaubt man nicht nur bei der taz, hat das Publikum noch die Muße, zu einer gedruckten Zeitung zu greifen. Schnelle Nachrichten lesen moderne Zeitgenossen lieber online. Auf der Website lautet das unorthodoxe Motto: Paywahl statt Paywall.

Erste Zwischenbilanz dieses Medienwandels: Im laufenden Monat März verzeichnet die taz 8.895 Wochenend- und 3.973 E-Paper-Abos. Mit freiwilligen Zahlungen erwirtschaftet die Website monatlich bis zu 12.000 Euro.

Konsequenterweise stehen im April zwei Relaunches an. Die Überholung der Website wurde zwar noch einmal verschoben, soll aber bald über die Bühne gehen und dann statt typischer Banner-Werbung verstärkt Verlagsprodukte und -projekte sowie die Genossenschaft ins Blickfeld rücken. Auch die Samstags-Ausgabe mit der Beilage "sonntaz" wird noch einmal "radikal" (Chefredakteurin Ines Pohl) umgebaut. Mit dem Namen "Tageszeitung" hat die Wochenend-Edition dann nicht mehr viel zu tun.
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