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Erst Murdoch, nun Time Warner: Medienkonzerne spalten Verlagssparte ab

Auch wenn Chefredakteur Richard Stengel nach eigenen Angaben ungern Geburtstage feiert: Das Time Magazine begeht dieser Tage seinen 90. Geburtstag. Die erste US-Ausgabe erschien am 3. März 1923. Nur den Trinkspruch "Auf die nächsten 90 Jahre" sollte man sich besser sparen. 

Pünktlich zum Jubiläum kündigte der Mutterkonzern Time Warner nämlich an, die Verlagssparte Time Inc., zu der auch das Wirtschaftsmagazin Fortune und die Bibel für Leibesübungen und Bademoden, Sports Illustrated, gehören, bis Ende des Jahres als eigenständiges Unternehmen an die Börse zu bringen, nachdem ein Verkauf des größten US-Zeitschriftenhauses an die Meredith Corporation gescheitert ist.

Außerdem wird die ungeliebte Verlagschefin Laura Lang, die jüngst 500 Kündigungen verschickte, das Unternehmen wieder verlassen. Sie war im Januar 2012 angetreten, als Spezialistin für digitales Marketing. Nur Verlags-Erfahrung hatte sie keine. Aber vielleicht ist das auch nicht mehr wichtig.

Belastung für TV- und Filmgeschäft 
Zwar bezeichnet sich Time Warner noch als "Global Leader in Television, Film and Journalism". Doch die schrumpfende, teure und personalintensive Publizistik (Umsatz 2012: 3,4 Milliarden Dollar, minus sieben Prozent, mit rund 8.000 Mitarbeitern) soll das dynamische Fernseh- (Turner BroadcastingCNNHBO) und Filmgeschäft (Warner Bros) nicht länger belasten. Also wird es abgespalten.

Einen ähnlichen Schritt annoncierte im Juni 2012 schon Rupert Murdoch mit der Aufteilung von News Corp in einen Unterhaltungs- (Fox BroadcastingFox NewsSky20th Century Fox) und einen Verlagskonzern - einschließlich des erst 2007 gekauften Wall Street Journals. Allerdings mag bei dieser Abtrennung der britische Abhörskandal von Murdochs inzwischen eingestelltem Tabloid News of the World eine - vom Unternehmen bestrittene - Rolle gespielt haben.

Flexibilität und Fokussierung
Während Murdoch trotz allem immer noch als Zeitungsmann gilt und künftig beide Firmen als Chairman leiten möchte, sprechen aus Time-Warner-Boss Jeff Bewkes rein wirtschaftliche Erwägungen:
"Eine komplette Abtrennung von Time Inc. sorgt für strategische Klarheit bei Time Warner Inc. Das ermöglicht uns die völlige Konzentration auf unsere Fernseh-Networks sowie die Film- und TV-Produktions-Geschäfte und stärkt unser Wachstumsprofil. Time Inc. wird von der Flexibilität und der Fokussierung profitieren, eine eigenständige, börsennotierte Firma zu sein, und ist dann in der Lage, eine typischere Aktionärs-Basis anzusprechen."
Anders gesagt: Mit Journalismus will Bewkes nichts mehr zu tun haben. Ob nun eher Miss-Management oder doch der Medienwandel Schuld am Niedergang der "größten Namen im Magazin-Business" (Guardian-Kolumnist Michael Wolff) trägt: Die Abstoßung von Time Inc. ist ein Menetekel für die Verlagspublizistik.
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