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Frankfurter Allgemeine Zeitung

Google Books - oder: Das kann doch jedes Schulkind

Die FAZ, die seit Monaten mit einer Feuilleton-Kampagne gegen die "Enteignung des geistigen Eigentums" auffällt, lässt sich zur Abwechselung mal erklären, warum der US-Schriftstellerverband dem Vergleich mit Google Books zugestimmt hat. Für Paul Aiken, Direktor der Authors Guild, geht es darum, vergriffene Bücher über das Internet erneut verfügbar zu machen, so dass Autoren und Verleger wieder Geld damit verdienen können. "Die vereinbarten 63 Prozent [Gewinnbeteiligung abzüglich Google-Provision, d. Red.] sind ein gutes Ergebnis", glaubt Aiken.

Deutschen Autoren und Verlegern rät er, ihren Rechtsanspruch anzumelden. "Damit haben sie die völlige Kontrolle, ob sie am Projekt teilnehmen oder nicht." Tatsächlich will die VG Wort die Wahrnehmung der Rechte an vergriffenen deutschen Titeln, die bei Google Books auftauchen, übernehmen, sofern die Rechteinhaber nicht widersprechen. Zudem kassiert die VG Wort für jene Bücher, die Google bis zum vergangenen Mai ungefragt digitalisiert hat.

Gegen das nassforsche Vorgehen des Suchmschinen-Giganten lässt sich ja einiges sagen - aber das ewige Klagelied vom "Monopol", das auch die FAZ-Interviewerin wieder anstimmt, mag man nicht mehr hören. Gerade eine wirtschaftsliberale Zeitung wie die FAZ schlägt sonst andere Töne an. "Im Prinzip hätte jeder damit anfangen können, Bücher zu scannen und Ausschnitte daraus ins Internet zu stellen", sagt der US-Gildenchef Aiken, der die laufende Prüfung des Vergleichs durch das US-Justizministerium für "nichts Ungewöhnliches" hält.

Schließlich, meint Mr. Aiken noch, könne heute doch "jedes Schulkind" eine Suchmaschine entwerfen. Ach wirklich? Schon seltsam, dass sich nur Google an dieses große Digitalisierungsprojekt gewagt hat. Die anderen Schulkinder können nur laut "Monopol" und "Enteignung" schreien.
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