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Journalisten-Befreiung und Tragödie in Afghanistan

Nach vier Tagen Gefangenschaft im Norden Afghanistans wurde der New York Times-Journalist Stephen Farrell von NATO-Truppen befreit. Doch das schnelle Ende des Kidnappings taugte nicht zu einem echten Happy End. Vier Menschen - Farrells afghanischer Übersetzer Sultan Munadi, zwei Zivilisten und ein britischer Soldat - kamen dabei ums Leben.

Ein hoher Preis, der - glaubt man britischen Stimmen - nicht hätte gezahlt weren müssen: Der Kriegreporter habe sich fahrlässig in Gefahr begeben. Der Daily Telegraph zitierte sogar einen ungenannten Militär mit der Aussage: "Wenn man sich anschaut, wie viele Warnungen diese Person erhalten hat, fragt man sich wirklich, ob er es wert war, gerettet zu werden, ob es sich gelohnt hat, dafür das Leben eines Soldaten zu geben."

Große Entscheidungs-Freiheit
Für die New York Times war es der zweite Entführungsfall in Afghanistan innerhalb kurzer Zeit. Im vergangenen November war schon Farrells Kollege David Rohde gekidnappt worden. Er blieb sieben Monate gefangen, ehe ihm und seinem Dolmetscher selbst die Flucht gelang. Times-Chefredakteur Bill Keller sagte der Nachrichtenagentur AP, die Zeitung lasse ihren Kriegsreportern bei der Berichterstattung eine große Entscheidungs-Freiheit, da sie selbst das Risiko am besten einschätzen könnten.

Internationale Journalisten-Verbände forderten von der britischen Armee eine Überprüfung der "Tragödie", zweifelten aber die Notwendigkeit der Befreiungsaktion nicht an. Der Vorfall "erinnert uns an das Opfer, dass wir alle für die Pressefreiheit bringen müssen", ließ IFJ-Generalsekretär Aidan White verlauten.

Farrell war am Kundus gefangen genommen worden, als er den Schauplatz des Nato-Luftangriffs auf zwei von den Taliban gestohlene Tanklaster besuchte, der auf Anordnung eines Bundeswehr-Obersten geschah. Bei dem Angriff zweier US-Bomber waren laut Schätzungen mehr als 50 Menschen, darunter zahlreiche Zivilisten, umgekommen.
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