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Die Welt

Journalisten-Preise als verkappte PR

Das Journalistenpreis-Wesen hat in den letzten fünf Jahren eine sprunghafte Entwicklung genommen. "Preise sollen eine Motivation sein, sich mit bestimmten Inhalten zu beschäftigen", zitiert Gisela Sonnenburg in der Welt eine PR-Frau. Eine mehrfach ausgezeichnete Gesundheitsjournalistin sagt hingegen, sie habe "nie" auf einen Preis geschielt: "Das habe ich nicht nötig. Ich schreibe, um zu begeistern, und nicht, um einen Preis zu kriegen."

Aus Sicht der auslobenden Firmen sind Journalistenpreise keine Korruption, sondern Kontakt- und Prestigepflege: Sie gelten als Investment, das sich lohnt. Ein Unternehmen wie die AOK-Bayern holt sich für seinen Nachwuchspreis einen renommierten Partner wie die Deutsche Journalistenschule in München ins Boot; der Preis heißt auch nicht einfach AOK-Preis, sondern ist nach einem aus Talkshows bekannten Arzt benannt ("Dr. Georg Schreiber Preis").

Konzerne, die in den Medien häufiger gescholten werden, wählen gerne den Umweg über eine ehrenwerte Stiftung oder einen gemeinnützigen Verein, um unverfänglich Preise auszuloben. So stehen hinter econsense, einem Verein, der die Berichterstattung über Nachhaltigkeit belohnt, DaimlerChrysler und 22 weitere hochkarätige Unternehmen.

"Höchstens zehn Prozent der Preise sind seriös", wird Thomas Leif vom Netzwerk Recherche zitiert. Gerade "themenfokussierte Preise" verkauften direkt oder indirekt Produkte oder Dienstleistungen. Journalisten rät er, den nächsten Preis der Industrie schlicht abzulehnen: aus Prestigegründen.
Zuletzt bearbeitet 29.12.2005 16:16 Uhr
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