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Rätselhafter Meinungswandel: 39 Prozent würden für "Qualitätsjournalismus" im Netz zahlen

Der Branchenverband Bitkom muss ein großes Herz für die darbende Verlags-Industrie haben. Eine neue Studie der IT-Lobby hat nämlich eine "wachsende Zahlungsbereitschaft für Qualitätsjournalismus im Web" ermittelt. Das kommt doch etwas überraschend. Denn während laut einer anderen Bitkom-Studie vom Oktober 2009 nur 16 Prozent der deutschen Internet-Nutzer für Online-Artikel zahlen wollten, sollen es nun 39 Prozent sein, die für Paid Content bereit sind.

23 Prozentpunkte binnen eines halben Jahres - sollte die Selbstdarstellung der Verlage als Hüter des Qualitätsjournalismus plötzlich einen öffentlichen Meinungsumschwung bewirkt haben? Methodisch lassen sich die neuen Zahlen immerhin durch eine veränderte Fragestellung erklären. Die Zahlungsbereitschaft ist bei der neuen Umfrage an die Einschränkung geknüpft, dass "gute journalistische Berichte nicht mehr gratis verfügbar wären".

"Es sollte den Verlagen gelingen"
Das Ergebnis der Bitkom-Studie klingt wie eine Aufforderung an die Verlage, endlich Ernst zu machen und eine Paywall hochzuziehen, so wie es Springer auf seinen Regionalzeitungs-Portalen bereits vorexerziert hat. In dieses Horn stößt auch Bitkom-Chef August-Wilhelm Scheer: "In anderen Bereichen – von Klingeltönen bis hin zu wissenschaftlichen Datenbanken – ist es gang und gäbe, im Internet Geld zu bezahlen. Es sollte den Verlagen gelingen, mit dem Verkauf einzelner Artikel, Online-Abos und Flatrates ein zweites finanzielles Standbein für Qualitätsjournalismus im Internet zu schaffen“, lässt sich der Wirtschafts-Informatiker und Unternehmer zitieren.

Die Idee einer Kulturflatrate kommt dagegen in der Bitkom-Studie schlecht weg. Nur 19 Prozent der Gesamtbevölkerung und 26 Prozent der Internet-Nutzer seien dafür. "Von staatlichen Abgaben zur Finanzierung der Internet-Angebote halten die Deutschen in der Mehrheit wenig", teilt der Verband mit.

Für die Umfrage hat die Aris Umfrageforschung 1.000 Deutsche repräsentativ befragt. Die Oktober-Daten hatte Forsa ermittelt.
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