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Berliner Zeitung

RBB-Intendantin Reim spricht von Agitation

Als "Agitation und demagogische Ausfälle" bezeichnet RBB-Intendantin Dagmar Reim im Interview der Berliner Zeitung den zunehmend ausufernden Streit im Sender, der zur Trennung von Moderator und Freienvertreter Jan Lerch geführt hatte. "Kein Unternehmen der Welt würde einen freien Mitarbeiter an solch prominenter Stelle beschäftigen, der das Unternehmen mit maßlosen, öffentlichen Vorwürfen überzieht." Lerch hatte sich als Sprecher von rbbPro engagiert, einer Freien-Initiative, die für die Abschaffung der sogenannten Dienstanweisung kämpft. Darin wird der Einsatz der Freien geregelt und begrenzt, um etwa zu verhindern, dass sich Mitarbeiter in eine Festanstellung klagen. Solche Dienstanweisungen gebe ist in allen ARD-Anstalten, sagt Reim. Die Kritik kann sie nicht nachvollziehen. "Bei uns haben freie Mitarbeiter bessere soziale Bedingungen als in weiten Teilen der Wirtschaft. Niemand wird ins Elend gestoßen. Freie sind bei uns nicht rechtlos. Das wird unterstellt, aber es stimmt nicht." In dem Interview rüumt Reim auch eigene Fehler ein. Sie wolle nun einen Diskussionsprozess im Hause in Gange bringen. Bei der Mitarbeiterversammlung hatte die Intendantin zuvor allerdings durch Abwesenheit geglänzt. Selbst Ver.di-Chef Frank Bsirske war dort aufgetreten - und sorgte mit seiner Gewerkschafts-Rhetorik ebenso wie Gerhard Kothy vom neuen Verband Berliner Journalisten für Unmut bei der versamelten Belegschaft. Die war sich immerhin einig, dass die Geschäftsführung, von der sich zunächst nur Rundfunkdirektorin Hannelore Steer nach vorne traute und prompt ausgelacht wurde, die Entlassungen von Kritikern zurücknehmen sollte. Doch mit der Euphorie war es vorbei, als RBB-Fernsehspielredakteur Justus Boencke erst Mitglieder der Geschäftsführung als "erbärmlich" beschimpfte und dann missverständliche Anspielungen auf den jüdischen Glauben von Fernsehchef Gabriel Heim und Verwaltungschef Nawid Goudarzi machte. Von einem Eklat schrieb danach die Berliner Zeitung. "Nun hat der RBB neben den Fällen Schäfer und Lerch noch einen Fall Boencke."
Zuletzt bearbeitet 16.12.2004 14:49 Uhr
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