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SPD-Medienholding macht Verlust, SPD gewinnt

Die SPD-eigene Medienholding dd.vg galt mal als richtige Cash-Cow. Alle Jahre wieder spülte sie aus Beteiligungen an Regionalzeitungen und Privatradios Millionen in die Partei-Kasse. Doch im letzten Jahr hat die Holding erstmals tiefrote Zahlen geschrieben und 14,1 Millionen Euro Verlust gemacht. Vielleicht muss man in einem solchen Fall sogar Verständnis dafür haben, dass ausgerechnet das Management einer sozialdemokratischen Tochterfirma im schönsten Consulting-Deutsch ("die Effizienz der Ablaufprozesse weiter [...] optimieren") Sparmaßnahmen androht und den Journalisten-Gewerkschaften für die nächste Lohnrunde eine Absage erteilt.

Vielleicht ist es aber doch nicht gar so schlimm. Zwar hat die dd.vg für die in die Hose gegangenen Beteiligungen an der Frankfurter Rundschau, bei einer Offset-Druckerei in Bayreuth sowie - kein Scherz - in der Kreuzfahrt-Touristik 25 Millionen Euro Wertberichtigung vornehmen müssen. Für das laufende Jahr erwartet dd.vg-Geschäftsführer Jens Berendsen aber schon wieder eine "soliden Gewinn".

1,7 Millionen Euro an die Partei
Und was heißt schon schlimm? Trotz der "Bilanzbereinigung" kann die dd.vg - einbehaltene Bilanzgewinne aus den Vorjahren machen's möglich - aus dem Gewinnvortrag für 2012, der im Geschäftsbericht (PDF) mit 21,7 Millionen Euro angegeben ist, 1,7 Millionen Euro an die SPD ausschütten. Die Partei bekommt also selbst in einem schlechten Jahr noch etwas ab.

Die dd.vg plant auch nicht, sich nicht von ihren Zeitungsbeteiligungen trennen. Vielmehr wird sie das schrumpfende Print-Geschäft weiter melken, solange es noch geht. Mit gelebter Sozialdemokratie mag das wenig zu tun haben. Aber die dd.vg erweist sich damit als solidarischer Partner regionaler Großverlage wie Madsack, die überall auf die Kostenbremse treten, um weiterhin hohe Renditen zu erwirtschaften.

Und wie steht's mit neuen Ideen? Für den darbenden Verlags-Journalismus zeichnet sich da nichts ab, außer Sparen natürlich. Dafür investiert die dd.vg jetzt über den von ihr mit einem 95-Prozent-Anteil kontrollierten Investor Tivola Ventures in digitale Medien. Erstes Investment ist ein 49,9-Prozent-Anteil an Avocado Store, einem Marktplatz für Öko-Produkte. Ein "nachhaltiges Investment" soll es sein. Ob die Journalisten in den dd.vg-beteiligten Verlagen da auf etwas sozialdemokratische Umverteilung hoffen dürfen?
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