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Frankfurter Allgemeine Zeitung, Tagespiegel, Financial Times Deutschland

Sarkozy tanzt den Berlusconi

Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy will die Werbung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen abschaffen - und jetzt auch den Intendanten selbst bestimmen. Damit hat die Finanzierungsreform des frankzösischen Fernsehens - Kritiker behaupten, eine Gefälligkeit Sarkozys für seinen Freund vom größten Privatsender TF1 - eine politische Dimension erhalten.

Die Werbung will Sarkozy in einem ersten Schritt ab 2009 nach 20 Uhr verbieten. 2011 soll sie dann ganz abgeschafft werden. Um den finanziellen Ausfall von 450 Millionen Euro zu kompensieren, sollen Internet- und Handy-Betreiber 0,9 Prozent und das Privatfernsehen drei Prozent ihrer Umsätze abliefern.

Doch das erscheint nun beinahe nebensächlich, da Sarkozy verkündet hat, die Direktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks solle nicht mehr von einer Kommission, sondern direkt von der Regierung berufen werden. Selbst Berlusconi in Italien könne sich das nicht leisten, ätzt die FAZ: Der "Sonnenkönig" Sarkozy führe "das französische Fernsehen in den Feudalismus zurück".

Bei aller berechtigten Skandalisierung wäre allenfalls festzuhalten, dass es zu Zeiten des Feudalismus noch gar kein Fernsehen gab.
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