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Schlag für Bayern: keine Gebührengelder mehr für DABplus

Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hat "wegen Erfolglosigkeit" den Geldhahn für den digitalen Radiostandard DABplus zugedreht, der im Herbst 2009 bundesweit starten sollte. Das ist ein schwerer Schlag vor allem für den Medienstandort Bayern: Weiß-blau hatte sich in den letzten Jahren besonders kräftig für eine Fortentwicklung des 1999 regulär in Deutschland eingeführten, am Markt gleichwohl erfolglosen Digital Audio Broadcasting ins Zeug gelegt.

Glaubt man Willi Steul, dem Intendanten des Deutschlandradios, dann ist es ein "schwarzer Tag" für die Zukunftsfähigkeit des Rundfunks in Deutschland überhaupt. Zwölf Millionen Euro Projektgelder hatte seine Anstalt für die Gebührenperiode 2009 bis 2012 erhalten sollen, 30 Millionen Euro überdies die ARD. Diese Mittel sind nun zwar gesperrt, aber nicht futsch. Die KEF will sie für "neu zu beantragende Entwicklungsprojekte zum Digitalen Hörfunk" aufsparen.

Mit ihrer Entscheidung hat die KEF einen Alleingang der Öffentlich-Rechtlichen unterbunden, den es zuvor schon bei der Verbreitung des digital-terrestrischen Standards DVB-T gegeben hatte. Denn die privaten Hörfunkanbieter erteilten DAB erst im Juni eine deutliche Absage: "Selbst bei maßgeblicher Förderung des Systems durch öffentliche Gelder und unter regulatorischem Druck" sei innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre keine Teil-Refinanzierung aus dem Markt zu erwarten, ließ die Privatfunker-Lobby VPRT verlauten. Wenn digital, dann wollen die Privatsender lieber in das Internet investieren.

Gerade Deutschlandradio ist aber nach Einschätzung der KEF auf die Mitwirkung der Privatsender angewiesen. Die in Berlin und Köln beheimatete Anstalt könnte mit ihren drei Digitalprogrammen nur ein Drittel der Kapazität eines DAB-Multiplexes belegen. Die Kommission bemängelte auch das Fehlen von Programmangeboten, die einen Mehrwert gegenüber dem UKW-Programm bedeutet hätten. Dass das Zauberwort "digital" alleine nicht ausreicht, um die Hörer zum Kauf neuer Empfangstechnologien zu bewegen, ist eine Lehre aus dem gescheiterten DAB-Experiment.

So bleibt zwar weiter im Ungewissen, wie die für 2015 geplante Abschaltung des UKW-Hörfunks in Deutschland bewerkstelligt werden soll. Aus Verbrauchersicht ist aber ein verspäteter Aufbruch in die Zukunft immer noch besser als ein unausgegorenes Projekt. 300 Millionen Euro hätte der DAB-Ausbau laut KEF in der nächsten Gebührenperiode verschlungen. Dieses Geld haben die Gebührenzahler vorerst gespart.
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