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Tageszeitung

Warum schont Netzwerker Thomas Leif die Bertelsmann-Stiftung?

Dass Thomas Leif in seinem Buch Beraten & verkauft, einer Abrechnung mit Consultern und Lobbyisten, die Gütersloher Bertelsmann-Stiftung vergessen hat, kreidet dem Vorsitzenden des Netzwerks Recherche die taz an. Denn die Stiftung "richtet sich zunehmend auf die Privatisierung des öffentlichen Sektors", wie die Journalistin Eva Hillebrand schon im vergangenen Jahr in einer Hörfunksendung (Transkript auf nachdenkseiten.de) feststellte, und kommt damit Lobbygruppen wie der auch von Leif kritisierten Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft sehr nah.

Hat Leif die Bertelsmann-Stiftung deshalb nicht an den Pranger gestellt, weil sein Buch im Verlag C. Bertelsmann erschien? Der Chefreporter des SWR darf diesen Verdacht in der taz - die sich mit der Nachfrage übrigens vorbildlich an den NR-Medienkodex hält - selbst als "hanebüchen" bezeichnen und eine Binsenweisheit verkünden: "In keinem Buch können alle Themen der Welt abgehandelt werden."

Auch in dem im Februar 2006 von Leif gemeinsam mit Rudolf Speth herausgegebenen Buch Die fünfte Gewalt - Lobbyismus in Deutschland, das nicht bei Bertelsmann, sondern im VS Verlag für Sozialwissenschaften erschien, steht nichts über die Aktivitäten der Gütersloher - weil den Herausgebern "kein entsprechendes Manuskriptangebot vorlag", so Leif laut taz. In einer eventuellen Neuauflage solle aber ein solide recherchierter Text über die Stiftung "auf jeden Fall veröffentlicht" werden.

Eine andere Interpretation vertritt der Buchautor (Bertelsmann. Hinter der Fassade des Medienimperiums) Frank Böckelmann: Viele Autoren wüssten um das Selbstverständnis der Bertelsmann-Stiftung, man betreibe lediglich "Grundlagenforschung". Jede Erwähnung der Lobbyarbeit der Bertelsmann-Stiftung würde hingegen in Gütersloh "als Anzüglichkeit verstanden". Das, so legt die taz nahe, weiß auch Leif, schließlich bestünden zwischen ihm und der Bertelsmann-Stiftung seit Jahren Verbindungen.
Zuletzt bearbeitet 04.08.2006 13:55 Uhr
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