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Wenn Kinder streiten: Aus für den Presseausweis

Seit 2006 ein Plastikkärtchen, vorher nur ein Stück Pappe in Klarsichthülle: der Presseausweis
Foto: Presseausweis.org
Seit 2006 ein Plastikkärtchen, vorher nur ein Stück Pappe in Klarsichthülle: der Presseausweis
Foto: Presseausweis.org
Bad News für Presserabatt-Jäger und Polizeireporter: Nach jahrelangem Tauziehen hat die Innenministerkonferenz der Länder in Berlin dem sogenannten "bundeseinheitlichen Presseausweis" die Anerkennung versagt. Lediglich für das Jahr 2008 (Update: auch noch 2009) soll der nach bisheriger Praxis nur von ausgewählten Journalisten- und Verlegerverbänden ausgestellte Ausweis noch den behördlichen Segen erhalten.

Aufhänger für diesen unordentlichen Schlamassel ist ein ordentliches Gerichturteil, das die wackere Fotografen-Vereinigung FreeLens vor drei Jahren erstritt: Die Journalistenverbände DJV und DJU sowie die Verlegerorganisationen BDZV und VdZ haben demnach kein Monopol bei der prestigeträchtigen und mitgliederfördernden Ausstellung der Ausweise.

"Unseriöse Gruppierungen"
Doch die etablierten Verbände taten sich schwer damit, weitere Anwärter in den erlauchten Kreis hereinzulassen - und tun dies bis heute. "Darunter waren auch solche Gruppierungen, die als unseriös gelten können", mokiert sich etwa DJV-Pressesprecher Henrik Zörner. Neu ist immerhin, dass in einer DJV-Pressemitteilung, die auch von den anderen Etablierten übernommen wurde, sechs statt wie bisher vier ausgabeberechtigte Verbände genannt werden: Neben FreeLens ist auch der Verband Deutscher Sportjournalisten hinzugekommen.

Andere wie der in eine AG verwandelte Deutsche Fachjournalisten-Verband bleiben in der DJV-Perspektive aber weiter außen vor - obgleich sie von der Innenministerkonferenz auf der Basis der im Gerichturteil formulierten Anforderungen als tauglich eingestuft wurden. Nachdem ein Last-Minute-Schlichtungsversuch von Berlins Innensenator Ehrhart Körting gescheitert war, zogen die Politiker die Notbremse und versagten die behördliche Anerkennung. Es ist wie ein Streit im Kindergarten, und am Ende müssen alle auf die stille Treppe.

Nicht nur für Presserabatte
"Der bundeseinheitliche Presseausweis hat sich in der Vergangenheit bewährt und wird dies auch in Zukunft tun", behauptet DJV-Mann Zörner nun keck, auch wenn sein Ausweis auf der Rückseite nicht mehr den "Vorsitzenden der Innenministerkonferenz" als Gewährsmann aufführen darf. Doch die etablierten Verbände wollen jene Mitglieder bei der Stange halten, die ihre Beiträge zahlen, um alle Jahre wieder einen neuen Presseausweis zu erhalten.

So wenig, wie es ein Monopol auf die Herausgabe des Presseausweises gibt, existiert allerdings auch ein Gewohnheitsrecht auf dessen Anerkennung. Deshalb sollten sich die Verbände doch noch im Sinne einer "amtlichen" Lösung zusammenzuraufen. Mal von den Presserabatt-Jägern abgesehen: Es gibt tatsächlich Polizeireporter und andere Journalisten, die den Presseausweis für ihre tägliche Arbeit brauchen - einen Ausweis, der auch problemlos anerkannt wird.
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