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Zeitung-Tundra Nordrhein-Westfalen

Die "frohe" Botschaft ereilte die Belegschaft auf Mitarbeiterversammlungen in Düsseldorf, Wuppertal und Krefeld: Der Verlag Girardet will in die Zukunft investieren, indem er die Redaktion seiner Westdeutschen Zeitung von 100 auf 50 Mitarbeiter halbiert. Und das ist nur die neueste Hiobsbotschaft für Print-Journalismus und Zeitungsvielfalt aus Nordrhein-Westfalen.

Ausgerechnet das bevölkerungsreichste Bundesland hat sich mit sinkenden Auflagen und bröckelnden Anzeigenerlösen zur deutschen Zeitungs-Tundra entwickelt. An den Ufern des Rheins blüht nur noch das Geschäft der Rationalisierer. Endlose Einspar-Runden sollen den Verlagen die alten Margen retten. 

Vorreiter WAZ-Gruppe
Als Pionier darf die WAZ-, heute Funke-Mediengruppe gelten, die mit der Zusammenlegung von Redaktionen Schlagzeilen als Essener Sparkommissare machte. Höhepunkt war im Februar 2013 der Kahlschlag bei der Westfälischen Rundschau zu einem Zeitungs-Rohling ganz ohne eigene Inhalte. All dies hinderte Funke aber nicht daran, für viele, viele Millionen bei Springer Regionalzeitungen und Magazine einzukaufen.  

In Köln kündigten die seit langem kooperierenden Verlage DuMont Schauberg (Stadtanzeiger) und Heinen (Rundschau) erst jüngst an, per Outsourcing vier Regionalredaktionen in einer neuen GmbH zusammenzulegen. DuMont hatte sich mit der Insolvenz der Frankfurter Rundschau schlimm verhoben. Umso stärker muss gespart werden.

Regionalteile von der Konkurrenz
Die neueste Hiobsbotschaft um die Westdeutsche Zeitung (verkaufte Auflage laut IVW im letzten Quartal 2013: 97.000 Exemplare) lässt sich wohl so verstehen, dass Girardet den Wettbewerb mit dem übermächtigen Konkurrenten Rheinische Post (328.000 Exemplare) endgültig eingestellt hat. Aber was heißt schon Konkurrenz?

Dass die WZ künftig keinen eigenen Mantelteil mehr produzieren wird, war schon befürchtet worden. Die Nachricht, dass künftig auch noch mehrere Lokalteile von der RP zugekauft werden, hat die Redakteure hingegen kalt erwischt. Die Mantel-Inhalte sollen laut Newsroom.de vom Zeitungsverlag Aachen (Aachener Nachrichten, Aachener Zeitung) zugekauft werden. Dort ist die RP ebenfalls als Minderheitsgesellschafter beteiligt. 

Immerhin: Die Westdeutsche Zeitung hat noch mehr Redakteure als Funkes Westfälische Rundschau. Dort hält nur noch ein einsamer Chefredakteur Wacht über lauter zugekaufte Inhalte. Der WZ ist dagegen der Chefredakteur abhanden gekommen: Martin Vogler kam im Januar nicht mehr aus dem Urlaub zurück. Einen Nachfolger will der Girardet nun im Mai präsentieren.
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