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Zum Papiertiger gemacht: Nachrichtenagentur dapd insolvent

Als die Nachrichtenagentur dapd vor zwei Jahren mit reichlich Pomp ihre neue Zentrale in Berlins Mitte eröffnete, schwang sich der Finanzinvestor Peter Löw noch zum Retter des Journalismus und der Pressefreiheit auf. Vollmundig kündigten er und sein Kompagnon Martin Vorderwülbecke an, die gerade erst aus deutscher AP und ddp gebildete Großagentur langfristig unterstützen zu wollen, um eine zweite Vollagentur neben dpa zu etablieren.

Expansion um jeden Preis
Seither ist die fusionierte dapd wie aus dem Kapitalismus-Lehrbuch munter weiter expandiert, zuletzt auch in Frankreich, hat der Konkurrenz Journalisten abgeworben und dpa erfolgreich als Nachrichten-Lieferant des Auswärtigen Amtes unterboten. Noch vor weniger als zwei Wochen wurde die Gründung eines Promi-News-Dienstes verkündet.

Fragte man altgediente ddp-Kollegen, die schon viele Eigentümer haben kommen und gehen sehen, nach der Agenda der neuen Besitzer, erntete man nur Schulterzucken. Doch die Frage lautete nicht nur: "Warum machen die das?", sondern auch: "Wie lange wollen die das bezahlen?"

Eine Million Miese pro Monat
Seit einer Mitgliederversammlung am Dienstag ist die Antwort raus: Sie wollen gar nicht mehr. Die Agentur hat Insolvenz angemeldet, nach Angaben der Eigentümer beträgt der Verlust jeden Monat eine Million Euro. Betroffen sind 299 der 515 Mitarbeiter, viele davon erst in den letzten Monaten oder Jahren dazugestoßen, aber auch zahlreiche Freie, die ausstehende Honorare wohl abschreiben müssen. Die Nachrichten-Produktion soll trotz Zahlungsunfähigkeit weiterlaufen.

Allerdings betrifft die Insolvenz "nur" die dapd Nachrichten Gmbh und die dapd Nachrichtenagentur Gmbh sowie sechs weitere Schwesterfirmen, nicht die Mutter-Holding. Löw und Voderwühlbecke, die bis zuletzt als Kraftmeier der Nachrichtenbranche aufgetreten sind, haben das Unternehmen nämlich in 26 Tochtergesellschaften filettiert.

Der Düsseldorfer Insolvenzverwalter Wolf-Rüdiger von der Fecht soll nun "bis Ende November prüfen, in welcher Form für die Gesellschaften eine Fortführungsperspektive besteht“. Das wird nicht einfach. Zwar stünde der deutschen Medien-Landschaft ein echter Konkurrent zur dpa gut zu Gesicht, doch dank Löw und Vorderwühlbecke ist der vermeintliche Herausforderer dapd nur noch ein Papiertiger.
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