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"taz" boykottiert Leichtathletik-WM

Wer sich sich als einer von 3.200 Journalisten für die am 15. August beginnenden Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin akkreditieren wollte, musste vorab einer polizeilichen und nachrichtendienstlichen Sicherheits-Überprüfung zustimmen. Nachdem sich die Medienvertreter dieser Durchleuchtung bei der Fußball-WM 2006 noch ausnahmslos unterworfen haben, hat die taz nun angekündigt, "als einzige Tageszeitung" nicht von der Leichtathletik-WM berichten zu wollen.

"Diese sogenannten Zuverlässigkeitsprüfungen sind ein weiterer Beleg dafür, dass unter dem Deckmantel Sicherheit die Rechte von JournalistInnen immer weiter eingeschränkt werden", heißt es in einem Kommentar der neuen Chefredakteurin Ines Pohl. "Die taz wird deshalb auf die Berichterstattung über die Leichtathletik-WM ganz verzichten."

Schon vor der Fußball-WM 2006 wandten sich Datenschützer gegen das Verfahren. Der Datenschutz-Beauftragte von Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, kritisierte damals in einer Stellungnahme für den Landtag, die Überprüfung sei ein "erheblicher Eingriff in Grundrechte der Betroffenen". Die Einwilligung sei nicht freiwillig, sondern Pflicht, um akkreditiert zu werden. Das Ergebnis der Überprüfung werde nicht den Betroffenen, sondern dem Organisationskomitee mitgeteilt.

Für Datenschutzrecht und Pressefreiheit sind das lauter K.o.-Kriterien. Der taz ist der Boykott in der heutigen Ausgabe einen Aufmacher und das Thema des Tages wert.
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