Das Interview:
Im Mittelpunkt – Vertrauen schaffen

Mit Blick auf den 57. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe vom 16. bis 19. September 2008 in Hamburg – sprachen wir mit PD Dr. med. Martina Rauchfuß, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Berliner Charité.

Frauenärztinnen und -ärzte wünschen sich ein vertrauensvolles Verhältnis zu ihren Patientinnen und deren gesundheitliche Begleitung durch verschiedene Lebensphasen. Lange Wartezeiten und Untersuchung/Beratung im 20-Minuten-Takt beim Frauenarzt/-ärztin sind aber fast „normal“. Ist individuelle Betreuung da überhaupt möglich?

Dr. Rauchfuß: Bei Engagement und Qualifikation der Ärztin, des Arztes können auch in einem kurzen Gespräch wichtige Themen hinreichend besprochen werden. Die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe (DGPFG) bietet den Ärztinnen und Ärzten seit vielen Jahren Kurse zur psychosomatischen Grundversorgung an, in denen entsprechende Kompetenzen vermittelt und Fertigkeiten z.B. in Rollenspielen trainiert werden. Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass in einem Aufklärungsgespräch nur ca. 20 Prozent der gegebenen Informationen wahrgenommen von der Patientin/dem Patienten werden können. Darauf muss sich der Arzt/die Ärztin einstellen.

Frauenzeitschriften und Internetplattformen empfehlen inzwischen, gut vorbereitet, möglicherweise mit Fragelisten in die Sprechstunde zukommen. Wie gehen Sie als Ärztin damit um?

Dr. Rauchfuß:Ist eine Patientin gut informiert und besteht ein Vertrauensverhältnis, so verbessert dies in der Regel die Compliance und damit auch die Behandlung. Die Kommunikation zwischen Arzt/Ärztin und Patientin wird einfacher, partnerschaftlicher und klarer. Allerdings ist es wichtig, dass die Patientin die Kompetenz ihrer Ärztin wahrnimmt und richtig (ein)schätzt. Abgesehen vom Fachwissen können Probleme oft effektiver beurteilt werden, wenn die Patientin durch ihre Betroffenheit emotional beteiligt ist.

Frauen als „Gesundheitsmanagerin“ der Familie – wie schätzen Sie diesen Trend ein?

Dr. Rauchfuß: Da Prävention eines der wichtigsten Konzepte gegen chronische Krankheiten ist und diese in unseren Breiten größte gesundheitliche und damit auch gesundheitspolitische Bedeutung haben, sind Frauen als Gesundheitsmanagerinnen hier wichtige Partnerinnen. Dennoch brauchen Frauen einen Arzt/eine Ärztin ihres Vertrauens, mit dem/der Probleme, Fragen usw. besprochen werden können.

Das Interview führt Dr. Ulrike Döring.