Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung

Die FR ist ein "schwieriger Patient"

Für einen Euro plus 330.000 Euro für offene Darlehensforderungen kaufte die SPD-Medienholding dd.vg vor zwei Jahren die Frankfurter Rundschau. Mit Kreditverbindlichkeiten von fast 100 Millionen Euro stand das Blatt vor der Insolvenz. Nun stehen 50 Prozent zum Verkauf.

Bis Mittwoch nächster Woche erwartet SPD-Schatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeier der Süddeutschen Zeitung zufolge "verbindliche, schriftliche Übernahmeangebote". Geschäftsführer Jens Berendsen sagte der FAZ, es gebe acht Interessenten. Genannt werden die Verlagsgruppen Madsack, an der die dd.vg ohnehin beteiligt ist, DuMont Schauberg, WAZ und Holtzbrinck. Auch ausländische Verlage zeigen laut Berendsen Interesse, die Bücher zu prüfen. Finanzinvestoren mussten indes draußen bleiben.

Das Blatt sei ein "schwieriger Patient", wird ein ungenannter Manager zitiert. Der Firmenwert liege "irgendwo zwischen 38 und 90 Millionen Euro", der 50-Prozent-Anteil werde wohl 30 Millionen kosten. SPD-Schatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeier ist das nun wieder "zu wenig". Schließlich hat die dd.vg mehr als 50 Millionen Euro investiert und ein Sanierungsprogramm aufgelegt.

Offenbar mit getrübtem Erfolg: Die Bilanzen seien zwar nicht mehr tiefrot, aber immer noch rot, heißt es. Der operative Verlust - vor drei Jahren noch bei gut 30 Millionen Euro - wurde zwar 2005 bei 120 Millionen Euro Umsatz auf - je nach Zählart - fünf bis zehn Millionen Euro reduziert, der angestrebte Turn-around aber verfehlt. Dabei wurden die Personalkosten um 50 Prozent reduziert. Die FR hat noch 170 Redakteure.
Zuletzt bearbeitet 22.04.2006 10:53 Uhr