Tagesspiegel

Jede Zeile zuviel schadet Susanne Osthoff

Die Journalisten sollten sich im Fall der entführten Susanne Osthoff zurückhalten, meint der auf Krisenberichterstattung spezialisierte Reporter Christoph Maria Fröhder im Tagesspiegel. "Jeder Versuch, über beginnende Gespräche zu berichten, kann für die Geisel tödlich sein. Wäre die große journalistische Tugend der Zurückhaltung – nichts zu schreiben, solange man nichts Genaues weiß – in den letzten Tagen beachtet worden, dann müssten jetzt nicht viele Kollegen bei der Schuldzuweisung im Fall al Masri verzweifelt versuchen, die Kurve zu kriegen."

Für die Verhandlungen über das Leben einer Geisel gilt laut Fröhder: "Jede Zeile, die nicht geschrieben wird, beweist, dass die deutsche Presse sich an ethische Regeln hält." Dagegen hätten in früheren Fällen Solidaritätsaktionen der Öffentlichkeit in Frankreich, Italien und den USA einen positiven Eindruck bei den Entführern hinterlassen. Eine Mahnwache allein, wie sie von türkischen Initiatoren in Berlin organisiert wurde, genüge da allerdings nicht.
Zuletzt bearbeitet 16.12.2005 13:49 Uhr