Süddeutsche Zeitung

Reschke über Aust und Gehrs - ein ungereimter Verriss

Viel Zeit hat sich die Süddeutsche Zeitung gelassen, um das Buch ihres ehemaligen Redakteurs Oliver Gehrs über Stefan Aust zu besprechen. Als Rezensentin fungiert die Panorama-Moderatorin Anja Reschke, und sie erklärt uns erst einmal, wie man investigativ an ein Thema "rangeht": "Man braucht eine These, man braucht einen Feind. Jemanden, den man für den angeprangerten Missstand verantwortlich machen kann. These wie Feind ergeben sich natürlich durch Recherche, oder lassen sich zumindest so erhärten."

Natürlich. Oder auch nicht. Denn Reschke fabriziert - wenn auch ohne Verve - genau deshalb einen Verriss von Gehrs' Buch. Sie attestiert ihm zwar, eine These zu vertreten ("Der Spiegel-Chef ist nicht politisch, er ist populistisch und er ist Amigo") und einen Feind (Aust eben) zu verfolgen; auch mit der Recherche ("... hat akribisch recherchiert") ist alles okay. Doch kann sie sich des Eindrucks nicht erwehren, "dass seine Nachforschungen eher einer Art Vorurteilsbestätigungsrecherche gedient haben".

Nun sind wir doch etwas irritiert. Das ist doch investigativer Journalismus, rangehen eben, These und Feind erhärten. Oder haben wir da am Anfang vom Artikel etwas falsch verstanden?
Zuletzt bearbeitet 17.04.2005 23:16 Uhr