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AP verlässt auch Frankreich, dapd profitiert davon

Bye-bye, Europa: Die US-amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press hat sich von ihrem letzten Auslandsdienst in der alten Welt getrennt und AP Frankreich wie erwartet an Sipa News, eine Tochter von dapd, verkauft. Es ist der jüngste Coup der expandierenden deutschen Nachrichtenagentur.

AP lässt zwar Europa hinter sich, macht aber außerhalb der USA gute Geschäfte. Rund ein Drittel der Einnahmen stammen laut Firmensprecher Paul Colford aus dem Ausland - vor allem aus Asien und Lateinamerika. So plant die Agentur für die Olympischen Spiele 2012 in London eine erweiterte Berichterstattung, um das globale Interesse an dem Mega-Sportereignis zu nutzen. Nur mit muttersprachlichen Diensten in Europa lässt sich für AP kein Geld mehr verdienen.

Konkurrenz für AFP
Das sehen die Finanzinvestoren der dapd ganz anders. Sie wollen den französischen Nachrichtenmarkt ebenso aufrollen wie zuvor den deutschen mit der Übernahme von AP Deutschland. Unter dem Namen der bekannten Bildagentur Sipa Press, die dapd im letzten Jahr übernommen hatte, soll die neue Vollagentur dem Platzhirschen AFP ab Oktober vor allem über den Preis Konkurrenz machen: die Rede ist von 30 bis 50 Prozent niedrigeren Preisen.

Das Low-Cost-Angebot der neuen Sipa könne vor allem bei der darbenden regionalen Tagespresse Erfolg haben, heißt es bei Le Monde. Der von 60 Redakteuren gemachte Dienst plant 250 Aussendungen pro Tag - kein Vergleich zu den täglich 1.200 Meldungen von AFP.

Trotzdem ist auf französischen Medienseiten häufig von einer "Guerre" (Krieg) der Agenturen die Rede. Diese Gemengelage unterstreicht auch eine Wettbewerbsbeschwerde, die dapd schon 2010 in Brüssel gegen AFP - damals nur Mitbewerber auf dem deutschen Markt - eingereicht hat: 40 Prozent der Einnahmen von AFP sollen aus 350 Abonnements des französischen Staates stammen. Die EU-Kommission prüft, ob es sich dabei um rechtswidrige staatliche Beihilfen handelt.

Wir sind die größten
Einstweilen darf sich dapd mit der Übernahme von AP Frankreich, die nach eigenen Angaben auch ein englischsprachiges Büro für den AP-Weltdienst sowie einen Foto- und einen Video-Dienst umfasst, als "der größte AP-Agenturpartner weltweit" feiern. "Die Zusammenarbeit mit dapd in Deutschland ist seit 2009 ein großer Erfolg", lässt sich Kenneth J. Dale, Senior Vice President und Chief Financial Officer der Associated Press in einer Pressemitteilung zitieren. "Wir sind zuversichtlich, dass die Übernahme des französisch-sprachigen AP-Dienstes durch Sipa News genauso erfolgreich sein wird."
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