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"Zunehmend eingeschränkt": Tilgner setzt sich vom ZDF ab

Antonia Rados kommt - Ulrich Tilgner geht. Der langjährige ZDF-Nahostkorrespondent will künftig hauptsächlich für das Schweizer Fernsehen berichten. Laut dem Kundenmagazin einer Schweizer Supermarkt-Kette sagte Tilgner, er fühle sich in Deutschland in seiner Arbeit zunehmend eingeschränkt, "gerade auch was die Berichterstattung aus Afghanistan angeht, jetzt, wo dort deutsche Soldaten sterben". Er habe deshalb im vergangenen Herbst seinen Vertrag als Leiter des ZDF-Büros in Teheran und ZDF-Sonderkorrespondent nicht verlängert.

Tilgners Rückzug - er möchte in Zukunft mehr Dokumentationen drehen - schlägt einige Wellen. Der seit 1982 in ZDF-Diensten stehende Korrespondent ist mehrfach preisgekrönt und gehört zu den journalistischen Aushängeschildern des Mainzer Senders. Der möchte ihn gerne halten und die Zusammenarbeit "auf eine andere Basis stellen", so ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender laut Berliner Zeitung. Ob und unter welchen Bedingungen das gelingt, ist aber noch offen. Tilgner würde wohl lieber Dokumentationen drehen, statt tagesaktuelle Beiträge abzuliefern.

Die Süddeutsche Zeitung schreibt, der 60-Jährige habe sich im "alltäglichen Kleinkrieg" an der Zentrale "wundgerieben". Die Berichterstattung sei ihm zu boulevardesk und regierungskonform geworden. Das Münchner Blatt kolportiert eine private Äußerung Tilgners: Mit der Regierung des Gerhard Schröder habe der eingebettete Journalismus in Deutschland angefangen, und Steinmeier setze die Tradition durch.

In dem Schweizer Magazin-Interview mokiert sich der erfahrene Korrespondent über "Bündnisrücksichten", die sich in der redaktionellen Unabhängigkeit der öffentlich-rechtlichen Sender widerspiegelten. Fürs Schweizer Fernsehen möchte er hingegen weiter berichten: Dort habe er noch keine Eingriffe in seine Arbeit erlebt.
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